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aus "Kirche am Ort" 4/2022

Der Naturschutzbund NABU rief im Hochsommer wieder zu einer bundesweiten Zählaktion von Insekten auf. Ich setzte mich in den Garten und lauschte. Früher summte und brummte es eindeutig mehr! Die langen Blütendolden der Buddleja wurden von Schmetterlingen zwar gut besucht, aber ich entdeckte nur fünf, sechs Sorten. Artenreichtum? – Fehlanzeige!

„Gott, der Herr, brachte den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.“
(1.Mose 2,15)
Sind wir schlechte Gärtner geworden? Ich weiß nicht, ob wir jemals richtig gute waren, aber im Blick auf den Zustand der Welt heute denke ich, ja, wir sind sogar grottenschlecht geworden, weil wir das Ganze aus dem Blick verloren haben! Der Mensch legt weiter, wider besseren Wissens, großflächig Monokulturen an, versprüht Pestizide im Übermaß und holzt und fischt ab, als hätte er eine zweite Erde in der Tasche! Und wie sieht es im Kleinen aus? In den Städten wird jede freie Fläche zugebaut und in vielen Vorgärten sieht man leblose Steinwüsten. Sie sind praktisch und leicht sauber zu halten, aber sie bieten Flora und Fauna keine Heimat mehr. Insektensterben, es wird viel darüber geredet, aber die Erkenntnisse nicht ausreichend umgesetzt. Das Ausbleiben der Insekten wird üble Konsequenzen für die Bestäubung und damit für unsere Nahrungsmittel haben. Die Bestäuber  sind  notwendig,  dass  aus Blüten später Obst und Gemüse wachsen  können.  Auch der  kleinste „Krabbler“ ist unverzichtbar im Kreis- lauf des Lebens. Wir müssen uns als Team verstehen, voneinander abhängig, einander bereichernd - und nicht leben unter dem Motto: „Nach uns die Sintflut!“

Apropos „Sintflut“, als die Flutmassen zurückgingen und Noah und seine Familie wieder Land unter den Füßen spürte, schloss Gott mit seinen Menschen einen Bund:
„Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1.Mose 8,22)

Gott hatte die Menschen schon einmal in sein Team geholt und setzte sie in einen wunderschönen Garten, damit sie ihn pflegten und schützten. Das hatten sie gründlich vergeigt und sie flogen aus dem Paradies! Und dann gab es mit Noah ein neues Verspre- chen. Doch aus diesem Bund  kann auf Dauer auch nur Gutes entstehen, wenn wir mit Gott und der Schöpfung verantwortungsvoll zusammenarbeiten. Ich fürchte fast, wir fliegen bald wieder raus, wenn wir nicht ganz schnell noch die Kurve bekommen!

Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine: „Du siehst ja übel aus, was ist denn mit dir los?“ „Ich fürchte, ich hab Homo sapiens.“ „Ach so, keine Sorge, das geht vorüber!“

Claudia Kühnle

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