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aus "Kirche am Ort" 3/2020

„Womit haben wir das verdient?

Diese Frage kann einem schon kommen, angesichts dieser Krise, die uns noch immer nicht loslässt. Eine Krankheit, die so unbeherrschbar ist, dass sie die ganze Welt in Atem hält. Ein Virus, gegen das es bislang weder ein Heilmittel noch eine Impfung gibt. Eine Pandemie, die besonders für die Älteren unter uns lebensbedrohlich ist und deren Eindämmung viele Menschen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.

Womit haben wir das verdient? Ist das etwa eine Strafe Gottes für all das, was wir Menschen der Schöpfung und unseren Mitmenschen angetan haben? Solche Gedanken können einem schon kommen.

Seuchen hat es immer gegeben. Besonders zur Zeit des Alten Testaments hat man sie als Strafe Gottes angesehen. Aber auch noch bis in die Neuzeit hinein war die Furcht vor einem strafenden Gott groß. Schon damals und bis heute beschäftigt uns die Frage, wie ein liebender Gott so etwas zulassen kann. Die Corona-Pandemie. Den Tsunami im Jahr 2004. Oder die Schoah. Für viele ist diese Frage der Grund, warum sie nicht an Gott glauben können.
Auf diese Frage, die auch die Theodizeefrage genannt wird, gibt es keine letztgültige Antwort. Gott verhindert das Böse auf dieser Welt nicht. Aber Gott geht einen anderen Weg auf dieser Welt. Anstatt das Leid mit starker Hand hinwegzufegen, kommt er selbst auf diese Welt und setzt sich dem Leiden aus. Gottes Allmacht, so drückt es Dietrich Bonhoeffer aus, zeigt sich in der Ohnmacht Jesu am Kreuz, in der Schutzlosigkeit seiner Liebe. Der christliche Glaube ist das Vertrauen auf diese Liebe, die uns durch alles Leid und auch durch den Tod begleitet, zu einem ewigen Leben, ganz geborgen in dieser Liebe. Gottes Bund mit uns Menschen besteht darin, dass er uns in allem, was geschieht, niemals alleine lässt. Er hat das menschliche Leid selbst durchlebt und ist in Jesus Christus unser Bruder geworden. Mit ihm an unserer Seite können wir durchs Leben gehen. Aus dieser Perspektive kann man mit Bonhoeffer bekennen: "Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein."

Mark Adler

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