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aus "Kirche am Ort" 3/2022

"Ich wünsch dir tiefen Frieden..."

…was für ein schöner Satz! Frieden wünschen wir uns wohl alle. Frieden in unserer kleinen und Frieden in der großen Welt. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass wir in Europa mit konkreter Kriegsangst konfrontiert werden könnten. Um kein anderes Thema kreisen meine Gedanken in diesen Tagen und Wochen mehr. Dabei ist es mir schmerzlich bewusst, dass Krieg ja kein neues Phänomen ist. Die Zahl  der  weltweiten  Kriege  und „bewaffneten Konflikte“ (als ob das etwas anderes wäre!) schwankt kontinuierlich zwischen20 und 30 jedes Jahr. In jedem Jahr verlieren tausende und aber- tausende Menschen ihr Leben. Doch der Krieg in der Ukraine ist näher. Geografisch und emotional. Vielleicht, weil die alte Angst vor Russland wieder hochkommt? Weil sicher geglaubte Errungen- schaften  wie  ein  freies,  friedli- ches, geeintes Europa nach dem Ende            des kalten Krieges von einem Tag auf den    anderen zertrümmert sind? Weil mir plötz- lich bewusst wird, wie kostbar der Friede ist, mit dem ich wie selbst- verständlich aufgewachsen bin?

„Ich wünsch dir tiefen Frieden…“ sind die ersten Worte eines kurzen Liedes. In meinem Kopf singe ich es sehr oft und wandle dabei den Text in „Ich wünsch mir tiefen Frieden…“. Ohne es wirk- lich erklären zu können, tut mir das gut. Denn die Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts dieses Krieges sind nur schwer auszu- halten.   Darum zolle ich allen großen Respekt, die tatkräftig mit anpacken! Die Geflüchtete in ihren Wohnungen aufnehmen, mit ihnen ihr Leben teilen, ihnen helfen, sich hier in Deutschland zurecht zu fin- den. Menschen, die Sammlungen organisieren, die Hilfsgüter nach Polen und in die Ukraine fahren und auf dem Rückweg Menschen aus dem Land mitnehmen und so in Sicherheit bringen.

„Ich wünsch mir tiefen Frieden…“ und frage mich, wie das wohl gehen kann mit dem Frieden in meiner kleinen und auch in der großen Welt. Beim Volk der Navajos heißt es:

„Der erste und wichtigste  Friede ist der, der in der Seele der Menschen einzieht:

Wenn sie ihre  Verwandtschaft, ihre Verbundenheit und Harmonie mit dem Universum einsehen; wenn sie wissen, dass im Mittel- punkt der Welt das große Geheim- nis wohnt und dass diese Mitte tat- sächlich in jedem von uns ist. Dies ist der wirkliche Friede. Alle anderen sind Spiegelungen davon.

Der zweite Friede ist der, der zwischen den Einzelnen geschlos- sen wird.

Der dritte ist der zwischen den Völkern.

Doch vor allem sollt ihr sehen, dass es nie Frieden zwischen den Völkern geben kann, wenn nicht der erste Friede vorhanden ist, der in der Seele eines jeden Einzelnen wohnt.“

Ich wünsch mir tiefen Frieden!

Iris Zeuner

 

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