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aus "Kirche am Ort" 2/2025

Gedanken zur Jahreslosung 2025 "Prüfet alles und behaltet das Gute!“ (1. Thessalonicher 5,21)

Diesen Rat gibt der Apostel Paulus seinen Freundinnen und Freunden vor fast 2000 Jahren. Sie sollen
ihre unterschiedlichen Bräuche und Gewohnheiten hinterfragen und prü- fen, was einem guten
Miteinander dient und den Glauben an Christus stärkt.
Mich bewegt diese Empfehlung. Sie lässt mich auf mein eigenes Leben blicken und fragen: was tut mir
und anderen gut, wo will ich etwas än- dern? Sie kann mich dankbar machen für das, was ich an Gutem
erlebe und aufmerksam für das, was andere beschäftigt.

Es ist oft nicht leicht, aus der Fülle von Bildern und Informationen, die auf uns eindringen,
Wahres vom Falschen zu unterscheiden und sich klar zu positionieren. Das kann verunsichern und
Angst machen.

Zugleich hat unser Glaube aber einen Schatz an Hoffnung und Zuversicht. Von „Fröhlichkeit“,
„Dankbarkeit“ und vom Beten spricht Paulus. Und davon, dass Gott treu an der Seite seiner Menschen
steht, auch in schweren Zeiten. Gott traut uns Mut zum Guten zu und die Fähigkeit, es zu erkennen.

Paulus ist es wichtig, nicht vorschnell zu urteilen. Sondern hin- zusehen, hinzuhören, zu
verstehen
– eben zu prüfen – und erst dann zu entscheiden, was dem Guten dient:
„Haltet Frieden untereinander.“
„Tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen“, „jagt dem Guten nach, füreinander und für jedermann.“

Würden wir das doch alle tun - gegen Unfrieden, Vorurteile, Hass und Hetze. Und dann erlebe ich,
wie ein russischer und ein ukrainischer Christ gemeinsam um Frieden beten. Wie sich ein Kollege
entschul- digt, weil er jemanden ausgeschlos- sen hat. Wie eine Schülerin einen Mitschüler zur Rede
stellt, der eine andere mobbt. Und eine Nachbarin sagt: ich bete für dich.

Das ermutigt mich. Menschen hören anderen zu, nehmen sie ernst und lassen sich nicht mitreißen von
Parolen. Ich bin sicher, dass
- persönlich, kirchlich und gesell- schaftlich - an vielen Stellen Gutes entsteht und bleibt, wenn
wir zusam- menhalten und uns nicht entmutigen lassen.
Gemeinsam beten, fröhlich sein, Zuversicht haben und unsere Sor- gen teilen: So können wir Hoffnung
schöpfen, Hass und Zwietracht die Stirn bieten und denen, die Hilfe brauchen oder Angst haben, die
Hand reichen.
Darin wird Jesu Botschaft von Freiheit und Menschenliebe sichtbar und erfahrbar und ich hoffe, dass
dieser Geist uns im neuen Jahr berührt – auch die, die sich verhärtet haben oder verzweifelt sind.

„Prüft alles und behaltet das Gute“ – möge es Ihnen in 2025 gelingen, mit Gottes Kraft und seinem
Segen.
Ihre

Ulrike Scherf, stellv. Kirchenpräsidentin

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